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Schulen sanieren!

Architektin Elke Maria Alberts

Schulen sanieren – eine notwendige Aufgabe, gerade weil Schulen nicht nur Orte des Lernens sind, sondern weil der Zusammenhang zwischen guter pädagogischer Architektur und Lernerfolg längst nachgewiesen ist. Neben den Bildungschancen ist es natürlich gut, die Gebäude überhaupt auf Stand zu haben. Eine pflegeleichte Schule, Akustik, Technik, Lehrerarbeitsplätze – was man von einem ordinären Büro fordert, sollte auch in der Schule eingehalten werden. Steigende Investitionsbedarfe haben den Investitionsrückstand bei den Schulen in Deutschland wieder auf nunmehr 44,2 Mrd. EUR wachsen lassen (2018: 42,8 Mrd. EUR), formulierte die KFW bereits im letzten Jahr.

Corona war und ist ein Entwicklungstreiber, gerade was das Thema Raumluft, ausreichend Raum und die Digitalisierung angeht. Ich sehe, dass viele Schulen gute Konzepte geliefert haben und ihre SchülerInnen irgendwie durch die Corona-Krise manövrieren. Aber gibt es gute Beispiele für baulicher Anpassungen, welche die Lernatmosphäre, sowie die Lehre- und Lernqualität auf ein ähnliches Niveau unserer skandinavischen Nachbarn anhebt? Ich sehe weiterhin das Klein-Klein baulicher Maßnahmen, die sich nur danach richten, welche "Kuh gerade wieder durchs Dorf getrieben wird". Investitionsdruck: Ja. Notwendigkeit: Ja. Handlung: Nein.

Kennen Sie Beispiele, in denen die Coronakrise ein Motor für die bauliche und damit pädagogische Entwicklung von Schulgebäuden war? Ich bin neugierig!

Stadt und Land

Architektin Elke Maria Alberts

Gutes Leben auf dem Land, das will geübt werden. Extra 3 spottete vor einigen Tagen über Menschen, die aufs Land ziehen und von Kühen und Schweinen keine Ahnung haben. Okay, das ist zugespitzt, allerdings gibt es Unterschiede. Solche, die ich nicht gegeneinander ausspielen möchte. Es geht um die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land. Es gibt beide Fluchtrichtungen. Global gesehen werden Ballungsräume immer größer, fressen sich in die Fläche, das Land verliert Einwohnende. Und, im Gegenzug, gibt es geht es genau deshalb wieder zurück aufs Land. Dass dies in Sachen Anastasia-Bewegung in Lippe ideologisch ekelhafte Züge aufwirft, macht mir Sorgen. Mir geht es um den guten Umgang mit dem ländlichen Raum und dessen demokratische Entwicklung.

Es braucht gute Innovationen für den ländlichen Raum, keine Bullerbü-Fantasien mit und ohne verklärendem Gelaber. Das Thema mangelnder Mobilität, fehlender Infrastrukturen und sozialräumlicher Bezüge auf dem Land haben wir sehr früh als Themenschwerpunkte erkannt und analysiert.

Das MonoCab ist eine Perspektive aus der Überlegung zur Regionalentwicklung, eins von mehreren Ergebnissen unserer Haltung gegenüber dem "Guten leben auf dem Lande". Lippe, eine ländliche Region, typisch für so viele dünn besiedelte Gebiete in Deutschland: mit viel Ruhe, viel Raum – und viel „Aber“. Aber es gibt kaum ÖPNV! Aber ohne Auto sind alle aufgeschmissen! Aus unserem Büro heraus brachte Innovationmanager Thorsten Försterling mehrere große Ideen zum Zuge: Ein Jugendzentrum, dass in einem ehemaligen Gepäckwaggon unterwegs ist und das MonoCab. Bei beiden geht es um gute Verbindungen und die mobile Vernetzung. Innovativ ist es deshalb, weil es mehrere ältere Ideen klug verwebt und weiterdenkt. Das ist Innovation: Die Aktualisierung von Ideen!

Leerstandskataster?

Architektin Elke Maria Alberts

"Wir brauchen kein Leerstandskataster, sondern keinen Leerstand!"

Der Doughnut-Effekt! Innenstädte werden ausgehöhlt, die Stadt fräst sich immer weiter ins Land. Einfamilienhaus-Siedlungen uniformer Tristesse werden am Ortsrand denen ermöglicht, die die neuen Bewohnerinnen des Ortes werden sollen. Fachmarktzentren sollen Versorgungslücken schließen. Gewünscht sind nur große Ladenflächen mit mindestens 600m², in der Innenstadt also unmöglich. Was bleibt, sind öde Ortskerne und der Versuch, leere Ladenzeigen liebevoll zu dekorieren. Nichts gegen solche Zwischenlösungen. Aber im Sinne der nachhaltigen Stadtentwicklung sollten Gebäude im Innenstadtbereich mehr Wertschätzung erfahren. Diese sind übrigens oft gemischter Natur, die Unterscheidung zwischen Ladenfläche und Wohnraum, die gab es vor hundert Jahren nicht. Der Schuster wohnte über seinem Laden. Solche Objekte will heute niemand. Zu teuer? Zu baufällig? Sanierung ist das K.O.-Kriterium beim Immobilienkauf.

Auf Platz 1 landet „Sanierungsbedürftigkeit”, das von 78% der Befragten angeführt wird. Für sehr viele Käufer ist dies ein absolutes Ausschlusskriterium, bei dem sie von Vornherein von einer Besichtigung absehen. Auf den Rängen zwei und drei der No-Gos finden sich „Straßenlärm” und eine „veraltete Ausstattung” mit 49% bzw. 39% der Nennungen.

Wohnen plus Ladenzeile, an sich eine gute Sache. Aber an den Mann oder die Frau bringen – nein. Aus unserer Erfahrung in der Regionalentwicklung können wir bestätigen: das Ausschlusskriterium Nummer 1 ist die Sanierungs- bedürftigkeit eben dieser Objekte. Ein Trilemma: Wohnraum, leere Innenstädte und regionale Versorgung.

Wir müssen den Leerstand anfassen und sanieren. Die Versuche eines Leerstandkatasters sind ist oft gescheitert, der Aufwand so etwas aktuell zu halten ist immens, "tagesaktuelle" Angebote am besten online? Dafür ist sind die Eigentumsverhältnisse zu undurchsichtig, der Markt zu dynamisch. Es braucht also keine Liste, sondern jemanden, der in die Häuser hineingeht und schaut, diese vom Markt weg kauft. Also, den Zwischenerwerb durch städtebauliche Entwicklungsgesellschaften. Und wir haben Bock es jetzt anzugehen, also: einfach machen!

Die Schule der Zukunft

Architektin Elke Maria Alberts

Die zukünftige Schule braucht Platz um sich entwickeln zu können. Denn, Platz, das ist in der Schule der wirkliche Luxus. Raum, mit dem man umgehen kann, in dem etwas stehen bleibt, in dem es genug Raum für Abstand, Nähe und Distanz gibt. Der gut durchlüftet ist.

Beim Lesen des Artikels in der Süddeutschen dachte ich mir: Juhu! Jetzt kommt die Schule von morgen!

Eine solche ist „innovativ, modern, sozial, inklusiv, digital und nachhaltig", heißt es dort. " Rheinland-Pfalz bricht nun in die Zukunft auf. Das sich Schule verändern muss, ist nicht neu. Aber ich freue mich, dass es weitergeht. Unser Programm in NRW hieß Gute Schule 2020. Damit konnten wir in Werther beispielweise Lehrerarbeitsplätze einrichten und die Eingangsbereiche der Grundschule neu organisieren.

Lehrerarbeitsplätze? Ja! Denn eine gute Schule ist ein Arbeitsplatz. In der Coronazeit ist deutlich geworden, wie wichtig ausreichend Raum ist. Deswegen transformieren wir die Gebäude um Raum zu haben - für die Schule der Zukunft. Man könnte sagen: Wir geben den Ideen und den schulischen Aufgaben Raum.

Die Anpassung einer Schule an neue pädagogische Konzepte ist sicherlich eine große Aufgabe. Damit diese gut gelingt, haben wir den „Pädagogischen Bauausschuss“ entwickelt. Ich freue mich, wenn der Architektur von Schulhäusern in einer inhaltlichen Qualität (und nicht „nur“ in der Optik) Wertschätzung entgegengebracht werden. Ich freue mich, wenn wir endlich anfangen, alle Schulen zu guten Lern- und Förderorten zu entwickeln, die gleichzeitig moderne und gesunde Arbeitsplätze sind!

Die Schule im Dorf lassen

Architektin Elke Maria Alberts

Ein Dorf ohne Schule ist eine eigenartige Vorstellung. Der Trend der Zentralisierung in von Bildungsbauten in den regionalen Zentren begann wohl in den 70ern, als Bildung insgesamt demokratischer wurde. Die Gesamtschule im Nachbarort, das klingt vernünftig. Aber nun geht es auch der Grundschule im Ort an den Kragen. Warum eigentlich? Die Dorfschule hat alles, was in der pädagogischen Diskussion gefordert wird: Kleine Klassen, stabile Beziehungen und kleinräumliche Bezüge. Dass sich das nicht immer rechnet ist mir schon klar. Aber: Wenn Schulen im ländlichen Raum  3. Orte werden und damit Multifunktionshäuser für die heterogen Interessen der Dorfgemeinschaft, dann sind die Karten neu gemischt.

Wenn die kleine Dorfschule örtlicher Mittelpunkt für die Gemeinschaft ist, sie Begegnungen ermöglicht dann ist sie eine Art "Trafostation" für die nachhaltige Entwicklung und inklusive Bildung. Eigentlich, dass, was wir politisch wollen – und zwar ohne den verklärten Blick eine Vergangenheit, sondern mit dem Blick der Aktualisierung von Ideen und Gebäuden. Ich bin für den Erhalt von Dorfschulen - als 3.Ort für die nachhaltige Entwicklung in den Gemeinden.

Sinnesfähige Architektur

Architektin Elke Maria Alberts

Umweltbezüge tragen zur Gesundung bei – das man das überhaupt sagen muss, wundert mich. Der Spaziergang durch den Wald, Gartenarbeit, das sind wohltuende Tätigkeiten und Orte. Naturbezüge sind wohltuend.

In der Architektur braucht es die Verbindung von Naturraum und Architektur. Gebaute Umwelt und Umwelt, ich habe aufgehört, beides zu trennen. Das Planungskonzept der Sennestadt nach der „organischen Stadtbaukunst“ ist das beste Beispiel. Eine Stadt fügt sich in den Naturraum ein; hier bin ich aufgewachsen.

Die Mamre-Patmos-Schule, eine Schule für Kindern mit Behinderungen in Bethel, feiert die Verbindung von Naturraum und Architektur. Wir konnten das Drinnen nach Draußen holen und umgekehrt. Durch bodentiefe Fenster, eine verwinkelte Bauweise und große Balkone, auf denen je eine Klasse Platz findet, wurde dies baulich bedacht, alles hüllt sich in ein stimmungsvolles Licht.

Für Kinder und Jugendliche, die weniger mobil sind, ist das besonders wichtig. Heute werden naturräumliche Bezüge in den Themen Pflege und Demenz, Klimaschutz und Stadtentwicklung bedeutsam. Die Dialogfähigkeit und die Sinnesfähigkeit von Gemeinschaftsbauten erlebe ich als heilsam.

Ich denke, wir sollten aufhören so zu tun, als wäre das jetzt alles neu.

Frau am Bau!

Architektin Elke Maria Alberts

Architektur, das war Männersache. Da mir das relativ egal war, studierte ich Architektur. Plötzlich tauchten Größen wie Zaha Hadid mit imposanter Architektur auf. Der Aha- Effekt! Ich dachte, okay, dass ist mal eine Frau, das ist mal eine Art, Architektur zu machen! Und jetzt: Der Deutschlandfunk hat es über weibliche Vorbilder in der Architektur und fordert die „Die Frau am Bau“. Mein Schlagwort ist es übrigens, aber das teile ich gern.

Damals, als Studierende, war ich zunächst damit beschäftigt, mich überhaupt an Gestaltung heran zubewegen. Nicht mit extremen Formen oder Effekthascherei, sondern mit Architektur im Gesamten. Also konnte Zaha Hadid kein Vorbild für mich sein, dafür war ihr Stil zu anders. Ich denke, das ist eben auch die Krux an Vorbildern: Das sind nicht die, die außerhalb dem normalen Fokus sind. Es braucht erreichbare, normale Vorbilder. Keine, die sich um ein Klischee bemühen. Am besten ist frau sie selbst und zieht ihr Ding durch.

Wir haben Fachkräftemangel. So gut, so schlecht.

Aber diese westdeutsche Trümmerfrauenmentalität stört mich: Nur weil es weniger brauchbare Männer gibt, müssen die Frauen ran? Frauen als ewige Reserve und Zwischenlösung? Bis die Männer endlich wieder da sind!? Nein, so geht es nicht!  

Bauministerium

Architektin Elke Maria Alberts

Bezahlbarer Wohnraum und ökologische Belange, das ist die Herausforderung, die an uns als Architektinnen gestellt ist. Ökologisch und Sozial – der Druck kommt von beiden Seiten. Selbstverständlich muss es bezahlbaren Wohnraum geben. Allerdings müssen der massive Ressourcenverbrauch und der Flächenfraß aufhören. Heute höre ich, dass Architects for future ein Bauministerium fordert. Eine gute Sache an sich: Dem Bauen mit seinen vielfachen Aufgaben würde damit Bedeutung zugestanden und Prozesse optimiert, so die Hoffnung. Das geht nur Hand in Hand mit dem Umweltministerium: Bauen kann nicht mehr einzeln betrachtet werden.

Es stehen massive und notwendige Änderungen an.
So wie jetzt geht es nicht weiter!

Die Hauptaufgabe sehe ich in der Vermittlung und der Begleitung von Veränderungsprozessen – Die Leute haben andere Träume und individuelle Interessen. Menschen mitnehmen ist schwierig. Das soziotechnische Regime verhindert gerne, vielfältige Lebensentwürfe müssen unter einen Hut gebracht werden. Für die zukünftige Zeit gilt es, Möglichkeitsfenster zu öffnen und mit dem Vorhandenen konstruktiv zu sein, es braucht Angebote und eine multidisziplinäre Betrachtung von pragmatischen Lösungen. Es geht um die angemessene Lösung und das Mittelmaß für den stetigen Wandel in Sachen Architektur! Verbote führen zu Widerstand: Es braucht jetzt den maßvollen, begleitenden Wandel!

Gute Grundrisse

Architektin Elke Maria Alberts

Wir glauben an den guten Grundriss als Basis für eine Soziale Gerechtigkeit.
Wir bauen für Menschen und ihr Schutzbedürfnis.

Das Recht auf Wohnen ist ein Menschenrecht, festgeschrieben ist es in Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Jeder Mensch hat ein Recht auf angemessenen Wohnraum. Was ist eigentlich guter Wohnraum, wie viel Raum gestehen wir Menschen zu, die Schutz suchen? In der Wohnungslosenhilfe haben wir in der Herberge zur Heimat Menschen, die eine lange Zeit auf der Straße gelebt haben, unterstützt, partizipativ neue Räume zu gestalten.

Das Wohnen selbst muss auch deswegen ein Menschenrecht sein, da Wohnen eine anthropologische Konstante ist. Das Schutzbedürfnis von Menschen ist ein wesentliches. Genau deshalb müssen gute Grundrisse und die daraus folgenden das gute Spiel zwischen Nähe und Distanz bieten. Architekturen müssen eine grundlegende Qualität haben. Es reicht einfach nicht, „nur“ Wohnraum zu schaffen. Es braucht die guten Grundrisse, und zwar auch solche, die klimaresilient sind. Lassen Sie uns gemeinsam den Grundriss zur Kunst machen, damit das Wohnen lebensgerechter werden.

Denn: Wir bauen um ihr Leben!

Sozialimmobilien

Architektin Elke Maria Alberts

... im Pflege- und Betreuungssektor

Bereits heute sind in Deutschland, fast 3,5 Mio. Menschen sind heute in Deutschland pflegebedürftig, bereits ein Viertel von ihnen wird in Pflegeeinrichtungen betreut, Tendenz steigend. Damit wird auch der Bedarf an Pflegeimmobilien steigen. Solche Sozialimmobilien wie Pflegeheimen, Betreuungseinrichtungen über Reha-Kliniken und Gemeinschaftseinrichtungen und sich aus den verschiedenen Bedürfnissen abgeleiteten gemischten Bedürfnisse sind im Kommen. Trotz dieser Prognosen ist die konkrete Bedarfsplanung schwierig, wird oft als Argument angeführt.

Sozialimmobilien früh in Konzepten der Quartiersentwicklung einzubeziehen, lohnt sich. Gerade wenn Pflegeeinrichtungen im Quartier nicht in Randlage, sondern baulich qualitätvoll sich gut in die Gesamtplanung eines Ortes einfügen, wird ein Schuh draus. Für Menschen mit Pflegebedarf ist es wichtig, in den bisherigen Bezügen und Beziehungen ein größtmögliches selbständiges Leben zu führen. Für Angehörige ist die pflegerische Qualität wichtig – aber auch die gute Gestalt und den Quartiersbezug der Sozialimmobile sollte man nicht unterschätzen:

Ein wachsender Markt sind sie auf jeden Fall – gerade deswegen müssen ihre Integration und ihre Dialogfähigkeit im städtebaulichen Sinn gelingen. Ich möchte aber ebenso, dass Sozialimmobilen Bewohnenden und Mitarbeitenden Identifikationsort sind, Orte mit Wiedererkennungswert!

Der Dritte Ort

Architektin Elke Maria Alberts

Mulitfunktionale Orte der Begegnung

„Was bringt Menschen dazu, trotz Online-Angeboten in die Stadt zu gehen?“ Die auf KOMMUNAL gestellte Frage mit vielen, durchaus hilfreichen Antworten findet sich in einer Liste, mit der die Belebung der Innenstädte diskutiert wird. Ich bin froh, dass diesmal nicht nur die „Parkbänke zum Verweilen einladen“ – ein Satz, den ich in jeder Broschüre lesen muss. Nichts gegen Stadtmöblierung, allerdings sind es die Menschen, die eine Innenstadt beleben. Nicht großformatige Kuschelkisten, Klötze oder Kinder, die lachend auf jeder Visualisierung abgebildet sind. Es braucht wirkliche Begegnungen und stabile Stadtbeziehungen.

Ich bin überzeugt, dass nur multifunktionale Angebote eine Stadtgesellschaft nicht überfordern und diese zum Erhalt von historischer Bausubstanz beiträgt. Den Vorschlag „Öffentliche Bildungs-, Sozial- und Kultureinrichtungen künftig im innenstädtischen Bereich vorsehen.“ Müsste man also in „Dritte Orte“ umbenennen und das nicht nur künftig, sondern direkt ab gestern. Als Verständigungsplattform zwischen Menschen werden diese als „öffentliche Orte der Begegnung und des Austauschs in Abgrenzung zum Ersten Ort, dem Zuhause, und dem Zweiten Ort, der Arbeit.“ Beschrieben.

Am Kulturstellwerk in Nordlippe habe ich an so einen Dritten Ort mitgewirkt. Architektur kann den Rahmen schaffen, das Miteinander muss sich einüben. Ich möchte, dass es mehr Dritte Orte gibt. Ich freue mich, wenn Sie mir mitteilen, wo Sie einen „Dritten Ort“ sehen! Schreiben Sie mir eine Mail!

 

Quelle: https://kommunal.de/lebendige-innenstadt-empfehlungen-beispiele?utm_medium=email&utm_source=newsletter&utm_campaign=20211007

Ein Modell zieht um

Architektin Elke Maria Alberts

Mitunter gönne ich einen Moment. Ich stehe in einem fertigen Gebäude, allein, und lasse es auf mich wirken. Oft ist es die letzte Gelegenheit mein Werk von innen zu betrachten, leer, ohne Menschen und ihrem Alltag.

Gestern hatte ich so einen ähnlichen Moment: Im Sennstadtarchiv, unter der Stadtteilbibliothek Sennestadt. Hier stand bis gestern das Sennestadtmodell, Planungs- und Wettbewerbsmodell für eine neue Stadt, Maßstab 1/500. Ein besonderer Ort. Ein trister Keller, grüne und gelbe Vorhänge, wehende Farben der Nachkriegszeit, seit 66 Jahren Unterkunft für die Idee einer Stadt. Dieser Keller gehörte früher zum „Teehaus“, dem ersten Planungsbüro von Hans-Bernhard-Reichow in der Sennestadt. Von hier aus wurde damals die vollständige, neue Stadt innerhalb von fünf Jahren geplant und als Modell gebaut.

Bis vor kurzem wurde das Modell noch von ehemaligen Mitarbeitern aus dem Büro Reichow weitergeführt, Änderungen, kleine Abbildungen der Wirklichkeit als Hinzufügungen. Das Modell als wurde somit stetig weitererzählt, so wie die Sennestadt selbst. Es zeigt die Philosophie und Haltung ihrer Erbauer: Von Herrn Holst habe ich den Blick auf diese, wie er es nannte, Aktualisierung erhalten; Mein Moment mit ihm hat mir dir gesamte Dimension einer Stadt gezeigt.

Die Farben der Sennestadt, seine Mitwirkung im Arbeitskreis Ortsbildpflege, die Arbeit am Modell der Sennestadt – Seine Haltung und Tun passten wunderbar zu der Idee einer „organischen Stadtbaukunst“, das Sich-Entwickelnde, Lebendige, sich Aufeinander-Beziehende.

Jetzt zieht das Modell um. Stück für Stück haben wir es auseinander genommen.

Jeder einzelne der ursprünglichen Arbeitsschritte kam damit zum Vorschein. 66 Jahre Sennestadt leben in diesem Modell – es ist ein Arbeitsmodell! Und so soll es bleiben, als Sichtbarmachung der Veränderungen.


Ein Eindruck vom Sennestadt-Modell
und seinem neuen Standort findet sich auf Facebook

Meine Herzensangelegenheit: Bäume

Architektin Elke Maria Alberts

Bäume hatten schon immer einen großen Stellenwert in meinem Leben. Aufgewachsen in der organischen Stadtlandschaft, der konzeptionell-schwurbelige Oberbegriff für ein solides und gut durchdachtes Stadtkonzept, habe ich heute das Glück, in und an einer durchgrünten am Fuß des Teutoburger Waldes ebendort zu arbeiten.

Der Landschaftsbezug in der Sennestadt ist kein Zufall. Nach Professor Reichow sollte der bereits vorhandene Landschaftsraum mit Wald, Wiesen und einem Bachtal in die neue Stadt einbezogen werden, die organische Stadtbaukunst bezieht ihre Vorbilder architektonisch aus der Natur. Wenn man auf den Stadtplan guckt, erkennt man eine Art Baumstruktur: Feine Verästelungen, eine instinktiv erfahrbare Straßenführung, Fuß- und Radwege.

Nach einigem Nachdenken bin ich aktuell einmal mehr Fan meines ehemaligen Wohnortes und heutigem Arbeitsort geworden. Lüften in Zeiten von Corona? Ein Leichtes in der Sennestadt.

Kühlendes Stadtgrün in Zeiten von Hitze? Das gibt es hier. Und, wenn man den Blick vom Sennestadthaus herunter wagt, sieht man insgesamt wenig Stadt, aber sehr viele Bäume. Stadtwald, quasi.

Wir brauchen mehr Bäume in all unseren Städten!

Meine Forderung: Pro Haushalt ein Baum pro Stadt!

24. September: Globaler Klimastreik

Architektin Elke Maria Alberts

Als Architektin war es für mich selbstverständlich das Klimamanifest 2009 zu unterzeichnen. Nach Überstehen der ersten Gründungsjahre meiner Gründungsphase ab 2007 war mir schnell klar: ich möchte Verantwortung für die Region übernehmen, die Vielfalt erhalten, gesellschaftlich und ökologisch und in diesen Themen wirksam sein. Es handelte sich für mich nicht um eine Aktion, sondern die verbindliche Zusage an die Verantwortung als Planende Architektin gegenüber der Art und Weise, wo und wie wir leben.

Nach den Gründungsjahren hatte ich Kapazitäten frei, in diese sozial- und umweltrelevanten Themen zu investieren, als eine Art Investition mit gesamtgesellschaftlicher Rendite. Diese selbstgewählte Verbindlichkeit, ist aber auch anstrengend. Ich meine, bei schlechtem Wetter macht eine zum Beispiel Demo einfach keinen Spaß. Aber man macht es trotzdem! Das bedeutet also, dass man andere Sachen dafür liegen lässt.

Da gibt es dann so Leute, die sagen: Das bringt alles nix. Aber es ist eben nicht die einzelne Aktion oder das Signal, sondern das stetige Wirken in Maßen und mit dem Vorhandenen. Wenn was hochkocht, dann wird gelöscht. Das hat mit Nachhaltigkeit allerdings nicht viel zu tun. Für den Nachhaltigkeitsaspekt in meinem Unternehmen habe mit kühlen Kopf eine CSR-Strategie entwickelt, eine Art Gießkannenprinzip für einen breiteren Themengarten.

Die aktuelle Verbindung zu meinem Berufsalltag ist das Thema, dass Städte immer mehr überhitzen. Allein schon deswegen ist es mir immer wichtig, Bäume zu Pflanzen. Für die diesjährige Aktion der Bielefelder Klimawoche habe ich sofort zugesagt und 30 Bäume gespendet.

Jetzt am Freitag (24.09.2021) sind die Klimastreik-Demos. Ich möchte Flagge zeigen als Architekturbüro.

Meine Mitarbeiter*innen bekommen an dem Nachmittag frei, sodass Sie teilnehmen können. Ich werde ab 13:30 Uhr zusammen mit meinen Kindern vor dem Landestheater in Detmold sein.

"Wann sind wir da?" #GENDEREQUALITY

Architektin Elke Maria Alberts

Frauenkarrieremesse: Am vergangenen Freitag fand in München die #hercareer statt. Eine Messe, bei der es auschließlich um Frauenkarrieren geht. Bei dem Titel der Messe #hercareer musste ich übrigens wegen des Make-Up-farbenden geschwungenen Logo zweimal hinschauen. Nein, es heißt nicht #hercare und es ist also keine Messe für Pflegeprodukte für die Frau von heute!

Antiquierte Rollenbilder, konstatiert Brigitte Zypries, sollen angegangen werden. Gerade weil traditionelle Rollenbilder sind sich nur langsam abbauen und in Sachen Gleichstellung noch immer kein Land in Sicht ist, braucht es Strukturen, Maßnahmen und Mutige. Frau Zypries ist immerhin Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, meine Kolleginnen und ich sind in der Baubranche unterwegs und es soll auch Tischlerinnen und Soldatinnen geben, so wurde mir erzählt. Alles gut soweit. Aber: Der Anteil der Gründerinnen liegt in Deutschland bei rund 16%. Nur jeder 6. Unternehmensgründer ist eine Frau.

Die Zahlen im Architekturbereich sind noch gravierender. Zwar gibt es mehr weibliche als männliche Architekturstudierende, davon landen lediglich weniger als eine Hand voll Prozent in einer Selbstständigkeit. Landen. Als sei es der Absturz, die Notlandung, die schlechtere Alternative zur bequemen Anstellung irgendwo im Amtszimmer. Das muss anders: Wir brauchen ab jetzt ein Gründerinnenstipendium, eine vernünftige Quote und mehr Wollen. Ich finde Selbstständigkeit übrigens ziemlich gut.

"Pflanzt mehr Bäume!" Ich pflanze 30.

Architektin Elke Maria Alberts

Laut einer eben veröffentlichen BKK-Studie schlagen extreme Wetterverhältnisse auf Grund des Klimawandels immer mehr auf die Gesundheit der Stadtbewohner*innen, Erkrankungen wie Hitzekollaps, Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag sind demnach um 50 Prozent gestiegen. Die Langzeitfolgen der Wohngesundheit im Stadtraum in Hinsicht auf den Klimawandel muss erforscht werden.

Als Architektin ist es mir wichtig, dass Menschen gut in allen Städten leben können, auch dies ist ein Aspekt der gleichwertigen Lebensverhältnisse in Stadt und Land! Also, wie kriegen wir Städte gesund und klimagerecht? Ganz klar: Es braucht mehr grün! In der kommenden Woche werde ich also einige Bäume pflanzen, 30 Stück habe ich für die Pflanzaktion der Klimawoche gespendet. Ich denke, dass ist ein Anpack. Ich freue mich, wenn wir uns dort sehen!

Unsere Welt kennt viele schöne Orte, gute Räume, Architekturen, Raumbeziehungen. Sennestadt ist so ein Ort, baumreich und luftig am Teutoburger Wald gelegen. Im Städtebau der Sennestadt, also gleich hier im Ort, ist gute Kühlung immer dann spürbar, wenn das Thermometer gegen 30 Grad klettert: Innerhalb der aufgelockerten Bebauung weht stets ein kühlendes Lüftchen. Alle Fußwege führen durch kleine Baumansammlungen direkt in den Teutoburger Wald, manche entlang des Bullerbachs, der an aus einer Quelle mitten im Stadtraum entspringt. Diese Grünräume tragen hier zur Stadtkühlung bei. Ein gutes Beispiel!

"Braucht es ab jetzt Klima-Räume in Pflegeheimen?" Ja!

Architektin Elke Maria Alberts

Metropolen werden immer wärmer. Schon jetzt heizen sich Städte immer mehr auf, Beton, Asphalt, Steine, solche Materialen versiegeln Flächen oder speichern Sonnenwärme besonders gut. War es vor wenigen Jahren noch das oberste Ziel, möglichst viel Wärme im Haus zu halten, wissen Bewohner*innen von Städten an heißen Sommertagen kaum noch, wohin mit der Hitze im Innenraum. Und mit dem Öffnen von Fenstern ist es nicht getan.

Die Klimaerwärmung trifft Städte mit dichter Bebauung besonders hart: Drei bis zehn Grad wärmer sind solche Orte im Vergleich zum ländlichen Umland. Durch die hohe und plötzliche Umgebungstemperatur bekommen Menschen, aber auch die Flora und Fauna in den Ballungszentren Schwierigkeiten.

Moderne Städte sind Orte der Geschwindigkeit, Orte des Zuzugs. Städte wachsen. 2018 lebten 55 Prozent der Weltbevölkerung in Städten – weltweit mehr als 4,2 Milliarden Menschen; Megacitys wie Shanghai oder Lagos oder Kairo haben mehr Einwohnende als mancher europäische Staat.

Für mich sind Städte Orte der Energien. Wo viele Menschen zusammenkommen, entsteht Reibung, daraus wiederum Wärme. Das ist gute Energie. Schlecht ist es, dass der Klimawandel Hitze in der Stadt lässt, die wir kaum bewältigen haben können.

Überhitzung ist für urbane Zentren auch in unseren Breitengraden eine völlig neue Herausforderung. Auch nachts kühlen die Städte hier nicht mehr richtig runter. Also nicht nur in der Wüste, sondern in Westfalen! Bielefeld, Paderborn und Detmold werden im Sommer schlichtweg zu heiß. Müssen wir nun in Pflegeheime klimatisierte Extraräume einbauen?